Die Qual der Wahl


man in supermarket

Kennen Sie solche Monologe auch: Soll ich die Oliven kaufen – nachher werden sie nur schlecht, aber fürs Rezept wären sie wichtig? Soll ich meinFitnessstudio-Abo verlängern – ich gehe ja kaum hin, aber ohne, gehe ich gar nicht?

Soll ich jetzt das Sonderangebot nutzen und mein altes Auto abstoßen – wäre schon schade, aber kann man bei dem Schnäppchen nein sagen? Soll ich jetzt mit meiner Chefin reden, wäre eigentlich an der Zeit, aber erwecke ich dadurch nicht einen falschen Eindruck? Soll ich mich auf eine andere Stelle bewerben, wie lange geht das noch in meinem Alter, aber im Moment läuft’s ja wieder?

Wir schwimmen in einem Meer von Möglichkeiten, die uns im großen und im kleinen offenstehen. Keine Frage: Das ist toll. Wir haben die Wahl. Doch es gibt eine Schattenseite. Wir müssen auch wählen. Und mit jeder Wahl (oder Nichtwahl) sind wir unseres Glückes Schmied. Gott, Eltern und die Verhältnisse taugen immer weniger als Ausrede, wenn sich unsere Wahl als nicht so glücklich herausstellt. Unsere Strategien mit diesem Optionenwust und dem Dasein als Glücksschmidt zu Recht zu kommen, reichen von „Augen zu und schnell entschieden“ bis „endlos abwägen, aussitzen und alle Optionen offenhalten. Beide Extreme sind nur selten hilfreich. Um gelassener zu wählen, hilft es, unsere Wahlfreiheit von überflüssigen „Aufladungen“ zu befreien. Deshalb hier eine kleine Achtsamkeitsübung, wenn sie die Wahl wieder mal quält:

  • Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Gegenwart, auf die Gedanken, Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse, die sie im Moment gerade haben. Welche Wahloption spricht Sie im Moment, hier und jetzt am meisten an?
  • Lassen Sie die Phantasien über zukünftige „Möhren“ (Belohnungen) oder zukünftige „Katastrophen“ (Bedrohungen) los, so gut sie es können. Beides macht die Wahl oft so kompliziert, weil wir uns über „ungelegte Eier“ den Kopf zerbrechen. Es kommt meistens sowieso anders als wir denken.
  • Vergegenwärtigen Sie sich Ihren Wert oder stärken Sie ihn. Sagen Sie zum Beispiel zu sich: Ich bin, so wie ich bin, gut und wertvoll. Ich brauche nichts zu tun, (zum Beispiel toll kochen, schnell rennen, gut aussehen) und nichts zu haben (zum Beispiel den respekteinflößenden Titel, das neue Auto, das aktuellste Smartphone), um mich aufzuwerten, zu reparieren, zu verbessern oder zu optimieren. Das entlastet ihre Wahl davon, Ihren Selbstwert steigern zu müssen.
  • Wählen Sie aus einer Haltung der Freundlichkeit zu sich selbst. Fragen Sie sich: was würde mir gut tun, was würde mir gefallen oder Freude machen, was würde mich stärken oder stützen? Keine Angst: die anderen kommen nicht zu kurz. Sie können es gar nicht vermeiden, dass Sie auch freundlicher und fürsorglicher mit anderen umgehen, wenn Sie freundlich und fürsorglich zu sich sind.

Vielleicht wenden Sie ein: Den Selbstwert mit ein paar Sätzen stärken, das Selbstverhältnis mit ein paar Fragen verändern – das ist schon sehr schlicht. Zugegeben. Aber jeder Satz und jede Frage sind ein kleiner Beitrag zur Veränderung unserer Hirnbahnen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Wahl.