Hader mit dem Chef


Senior conductor wearing suit. Studio shot.

Ja, es gibt sie: gute Chefs und gute Chefinnen. Traut man aber dem Hörensagen, sind sie eine eher seltene Spezies. Das Leiden an Chefs ist verbreitet.

Sie sind gerne mal inkompetent, ignorant, inkonsequent, entscheidungsschwach, arrogant, überfordert, gehen über Leichen, können nicht zuhören und reagieren nicht auf Veränderungsimpulse.

Das liest sich leicht, tut aber in Wirklichkeit weh, weil wir uns übersehen, abgelehnt, enttäuscht, gedemütigt oder ohnmächtig fühlen – egal ob gerechtfertigt oder nicht. Immerhin ist für unser Wohlbefinden der oder die direkte Vorgesetzte nach dem Lebenspartner die zweitwichtigste Person. Umso schlimmer für uns, dass sich Chefs und Lebenspartner erstaunlich ähnlich sind, was ihre Veränderbarkeit angeht.

Und wie so oft im Leben, wenn wir die Dinge nicht in unserm Sinne verändern können, fangen wir gerne an zu hadern, was unser Wohlbefinden auch nicht gerade verbessert. Im Gegenteil. Die Regel „Schmerz x Widerstand = Leiden“ hat nur wenig Ausnahmen. Doch zumindest einen Faktor in der Gleichung können wir beeinflussen: unsern Widerstand. Deshalb hier eine kleine Übung, mit dem Sie Ihren Hader etwas aufweichen können, wenn sich Ihnen der Chef oder die Chefin wieder von der schlechtesten Seite gezeigt hat.

  • Nehmen Sie sich an einem ungestörten Ort ein paar Minuten Zeit für sich und vergegenwärtigen Sie sich das Verhalten Ihres Chefs oder Ihrer Chefin.
  • Achten Sie darauf, welche Gedanken und Gefühle bei ihnen ausgelöst werden. Nehmen Sie einfach nur wahr, was sie denken und fühlen. Sie brauchen nichts zu verändern. Erlauben Sie es sich, im Moment genauso zu fühlen und so zu denken, wie sie es gerade tun (alle Gewaltphantasien inklusive). Vielleicht stellen Sie fest, dass eine solche Erlaubnis den Handlungsimpuls, z. B. sofort „zurückschlagen“ zu wollen, abschwächt.
  • Versuchen Sie nun, Ihren Hader „aufzuweichen“. Sagen Sie zum Beispiel zu sich: Das Verhalten meines Chefs, meiner Chefin kann ich nicht ändern. Das ist die Realität und das löst bei mir …. (hier die Gedanken und Gefühle einsetzen, die sich bei ihnen gezeigt haben, z.B. Wut, Scham, Enttäuschung, Aggression) aus. Das ist so und gehört zu meinem Arbeitsleben dazu.
  • Je mehr es Ihnen gelingt, die Sätze auch zu „meinen“, werden Sie auch wirken. Deshalb lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, was sie bei Ihnen auslösen. Was denken Sie jetzt? Was fühlen Sie jetzt? Vielleicht tauchen neue Ideen oder Handlungsimpulse auf. Seien Sie neugierig auf sich. Oft reagieren wir anders, wie wir es erwarten.

Zum Schluss noch ein Tipp für alle Glücklichen ohne Chefprobleme: die Übung lässt sich problemlos auch auf andere Personen anwenden, z. B. Kollegen, Kinder, Eltern, Partner, Nachbarn …