Schwierige Gespräche


 

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Gerne verschieben wir sie, lavieren um sie herum und am liebsten würden wir sie ganz vermeiden: schwierige Gespräche. Doch was macht sie eigentlich so schwierig? Die Notwendigkeit, die Sache, das Gegenüber oder man selbst? Unsere wohlfeile, schnelle Antwort ist meistens: alles zusammen. Das stimmt immer, hilft aber nicht weiter. Der Berg wird nur noch etwas höher und die Scheu ihn anzugehen noch etwas größer.

Wir ahnen aber, wo wir ansetzen müssten. Wir scheuen schwierige Gespräche doch vor allem deshalb, weil sie für uns schwierig sind, weil wir befürchten, Zuneigung, Anerkennung, Gesicht, Chancen, Status, Unschuld oder was auch immer zu riskieren und zu verlieren. Aber wissen wir wirklich, was genau wir beim anstehenden Gespräch befürchten und ob die Befürchtungen auch berechtigt sind? Meistens nicht. Das stört unsere Vermeidungsreaktionen allerdings wenig. Sie laufen vollautomatisch ab. Ein guter Grund, um sich die Sache genauer anzusehen.

Hier eine kleine Achtsamkeitsübung dazu.

  • Nehmen Sie sich 5 Minuten Zeit und sorgen Sie dafür, dass Sie in dieser Zeit nicht gestört werden. Schließen Sie die Augen oder richten Sie sie auf einen Punkt im Raum.
  • Um aus Ihrer normalen Außenorientierung herauszukommen und sich nach innen zu wenden, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem. Achten Sie für mehrere Atemzüge darauf, wo Sie das Ein- und Ausatmen in Ihrem Körper spüren.
  • Stellen Sie sich nun die Person vor, mit der Sie das schwierige Gespräch führen wollen und achten Sie darauf, welche Gedanken, Erinnerungen, Bilder, Gefühle oder Empfindungen dadurch ausgelöst werden. Betrachten Sie sie wie ein Forscher, der seinen Gegenstand interessiert, aber wertneutral beobachtet.
  • Wenn sich Negatives, Belastendes, Aggressives oder Ängstliches zeigt, sind innere Widerstände, Abwertungen und Verurteilungen normal. Vielleicht hilft es Ihnen, wertneutral zu bleiben, wenn Sie alles, was auftaucht, innerlich benennen und wie ein freundlicher Gastgeber begrüßen. Sie können die Begrüßung auch durch einen innerlich gesprochenen Satz unterstützen, z. B. Hallo, auch du gehörst dazu.
  • Kehren Sie zum Schluss der Übung mit Ihrer Aufmerksamkeit für mehrere Atemzüge wieder zu Ihrem Atem zurück und gehen Sie dann in Ihren normalen Handlungsmodus, indem Sie die Augen öffnen.
  • Machen Sie einen Check: Hat sich etwas verändert in Bezug auf das schwierige Gespräch. Ist Ihnen bewusster geworden, was für Sie das Schwierige des Gesprächs ist. Gibt es neue Einsichten oder Handlungsimpulse.

Gehen Sie die Übung locker an und erwarten Sie nicht zu viel von ihr. Denn wie für alle Achtsamkeitsübungen gilt auch für diese Übung: Je größer der Erwartungsdruck umso sicherer der Misserfolg. Ach übrigens: diese Übung ist kein Ersatz für eine gute, sachliche Vorbereitung des Gesprächs. Sorry.