Wertschätzung erfahren


arbeitender Mann im Büro zeigt daumen hoch

Ernst gemeinte Wertschätzung, Anerkennung oder positives Feedback sind in unserm beruflichen oder privaten Alltag eine eher seltene Freude. Jedenfalls bei den meisten von uns. Wann wurde zum Beispiel Ihre Arbeit zum letzten Mal wertgeschätzt, anerkannt oder positiv hervorgehoben, egal von wem? Wenn Sie jetzt keine schnelle und einfache Antwort parat haben: Willkommen im Club.

Wertschätzung ist offensichtlich rar. Umso erstaunlicher ist es, wie wir mit dieser Rarität umgehen. Anstatt sie auszukosten und zu genießen, gehen wir allzu oft ziemlich achtlos an ihr vorüber. Und wenn wir sie doch mal wahrnehmen, gehen wir im Handumdrehen wieder zur Tagesordnung über oder machen die uns entgegengebrachte Wertschätzung sogar madig, z. B. so: „Das kann ja gar nicht ernst gemeint sein, wenn der wüsste …“; „ist doch alles selbstverständlich, kein Grund sich was einzubilden“.

Natürlich steckt wieder mal unser Hirn dahinter. Es nimmt Negatives wichtiger, verarbeitet es besser und verankert es schneller in unserem Erfahrungsschatz als Positives und zwar ungefähr im Verhältnis 5:1. Damals, in der afrikanischen Savanne war das ein ziemlich gutes und lebenserhaltendes Verhältnis. Heute in unserer hochkomplexen Welt, in der es beim Überleben weniger um Ab- oder Draufhauen geht, ist es nicht mehr so hilfreich, wenn wir dazu neigen, Positives sang- und klanglos unter den Tisch fallen zu lassen.

Um nicht missverstanden zu werden: meine Botschaft ist nicht „always look at the bright side of life“, sondern greif zu, wenn sich etwas Gutes bietet und zwar bewusst und mit allen Sinnen. So bekommt unser Hirn eine bessere Chance, auch das Positive als Erfahrung zu verankern. In diesem Sinne hier ein paar Tipps zum Auskosten von Wertschätzung, die uns allen immer wieder mal entgegengebracht wird.

  • Achten Sie darauf, wenn Ihnen in Ihrem Alltag Wertschätzung, Anerkennung, ein Kompliment, ein Lob begegnet, vom Kollegen, der Chefin, dem Partner, der Freundin oder wem auch immer.
  • Halten Sie inne (soweit das die Situation zulässt) oder verschieben Sie die folgenden Punkte solange bis Sie sich etwas Zeit für sich nehmen können. Wir reden hier von 30 – 60 Sekunden.
  • Achten Sie darauf, welches Gefühl das positive Feedback bei Ihnen auslöst. Benennen Sie es mit einem einfachen Wort, z. B. Stolz, Freude, Glück, Genugtuung oder was auch immer Ihnen gerade einfällt.
  • Und dann genießen Sie das Gefühl, so lange es die Situation zulässt. Lassen Sie es sich „auf der Zunge zergehen“ und kosten sie es aus. Es steht Ihnen zu.
  • Wenn sich Ihre kritischen Stimmen zu Wort melden, z. B. mit „was soll denn das jetzt“ oder „das hast du doch nicht nötig“ oder „mach aus einer Mücke keinen Elefanten“ oder „sei nicht überheblich“, dann kämpfen Sie nicht gegen sie. Lassen Sie sie einfach da sein und konzentrieren Sie sich wieder so gut es geht aufs Auskosten.

Probieren Sie’s einmal aus. Sie werden überrascht sein, wie gut das tut. Natürlich, ein ausgekostetes positives Feedback macht noch nicht zufriedener, glücklicher oder selbstbewusster. Eine Schwalbe macht ja auch noch keinen Sommer. Aber wenn Sie etwas üben, stellen Sie vielleicht fest, dass der Sommer schon längst angefangen hat. Sie haben bisher nur nichts davon mitbekommen, weil Sie die vielen Schwalben einfach übersehen haben.