A room to rest and to let it be


Zuerst eine Frage, bevor ich zum Foto komme: Wie viel Zeit verbringen Sie täglich ziellos? Allein die Frage offenbart schon das „Geschmäckle“ von Ziellosigkeit. Wir sind doch alle zielorientiert, nicht nur bei der Arbeit. Wir nehmen unser Leben in die Hand und erledigen, besorgen, arbeiten und handeln, um Ziele zu erreichen, unser Leben und unsere Welt besser oder angenehmer zu machen. Rund um die Uhr. Tag für Tag. Fast müssen wir uns schämen, wenn wir mal nichts zu erledigen oder zu erarbeiten haben. Die lückenlose Handlungsorientierung ist ein kollektives Phänomen und von uns allen gefordert. Kein Wunder, dass uns die Lückenlosigkeit gar nicht mehr auffällt, obwohl sie Folgen hat, unter denen wir alle leiden: Stress, Unzufriedenheit, Schlafstörungen, Rückenprobleme usw.

Wie eingefleischt dieser Um-zu-Modus ist, zeigt sich, wenn wir versuchen, Ruhe und Entspannung mit Entspannungszielen und Erholungs-To-dos herzustellen, die wir genauso erreichen und abarbeiten möchten, wie alle anderen. Oft genug ernten wir dabei keine Erholung, sondern zusätzlichen Zeit- und Leistungsdruck, wenn wir z. B. ins Fitnessstudio hetzen und ehrgeizigen Zielen hinterherlaufen. Oder wir ernten zusätzliche Selbstvorwürfe, wenn wir vor Lust- oder Energielosigkeit den Weg ins Fitnessstudio gar nicht erst antreten.

So geht es eben nicht. Weitere Punkte auf unserer To-do-Liste führen nicht automatisch zu Erholung. Erholung und Entspannung brauchen eine andere Haltung. Vielleicht haben Sie es ja auch selbst schon erlebt, wie entspannend es sein kann, wenn es gelingt, die Dinge und sich selbst so sein zu lassen, wie sie gerade sind. Ein solcher Muße-Modus ist uns zwar in die Wiege gelegt, aber heute müssen wir ihn wohl neu entdecken und kultivieren, wenn wir nicht im kollektiven Hamsterrad durchdrehen wollen.

Zum Üben des achtsamen Müßiggangs sind alltägliche Routinetätigkeiten sehr gute Gelegenheiten. Sie werden immer wieder ausgeführt und brauchen keine zusätzliche Zeit. Und welche Tätigkeit wäre besser geeignet, als der Toilettengang. Unsere großen und kleinen Geschäfte dort, bestehen ja vor allem darin, den Dingen ihren Lauf zu lassen.

 

  • Entschließen Sie sich, den nächsten Toilettengang achtsam zu tun. Dazu gehört, dass Sie sich eine Zeit zugestehen, in der Sie nichts tun oder arbeiten müssen, in der Sie sich erlauben können, sich allein auf den Toilettengang zu konzentrieren, ohne etwas zu planen, vorzubereiten oder Ihr Smartphone zu nutzen.
  • Achten Sie stattdessen auf ihre Körperempfindungen, z. B. auf die Empfindungen in den Beinen und Füßen, wenn sie zur Toilette gehen oder von ihr kommen oder auf die Empfindungen im Körper, wenn sich der Darm oder die Blase entleeren. Vielleicht spüren und genießen Sie auch die Erleichterung, die oft damit verbunden ist. Erwarten Sie nichts Besonderes oder Spektakuläres. Es reicht, Ihr Interesse auf die Körperempfindungen des Gehens, Stehens, Sitzens und Ausscheidens zu richten und aufmerksam dem zu folgen, was im Körper passiert.
  • Wenn Sie bemerken, dass sich Ihre Gedanken selbständig gemacht haben, was unweigerlich passiert, lassen Sie die Gedanken da sein. Sie brauchen sich einfach nicht um sie zu kümmern. Lenken Sie die Aufmerksamkeit lediglich wieder auf die Körperempfindungen, so gut es eben geht. Gerade weil der Handlungsmodus allgegenwärtig ist, ist unser Geist nicht gewohnt, konzentriert beim Wahrnehmen zu bleiben. Hadern Sie deshalb nicht damit, wenn er dauernd umherwandert.
  • Manchmal stellt sich auch Langeweile ein. Unsere Smartphones haben uns abhängig davon gemacht, jederzeit neue Impulse zu bekommen. Die Übung besteht auch darin, standhaft zu bleiben und Langeweile auszuhalten. Nehmen Sie sie zur Kenntnis und wenden Sie sich einfach wieder den Körperempfindungen zu.

Ich wünsche Ihnen viel Entschlusskraft. Viele Gelegenheiten zum Üben haben Sie ja.

 

 

Verwandte Achtsamkeitsimpulse: