Wut braucht Zustimmung


Wütend waren wir alle schon mal. Das ist nicht angenehm und auch riskant, für uns und unsere Umgebung. Verständlicherweise tauchen schnell beschwichtigende und besänftigende Stimmen in uns oder unserer Umgebung auf, die uns wieder auf den Boden bringen möchten: „Nimm‘ es nicht so persönlich.“ „Das lohnt sich nicht, sich so darüber aufzuregen.“ „Das hat er / sie sicher nicht so gemeint.“ Oder es tauchen mahnende Stimmen auf, die uns vor den Folgen unkontrollierter Gefühlsentladungen und zerbrochenem Geschirr warnen. Wie wir alle schon erlebt haben, funktionieren oft genug weder gutes Zureden noch Warnungen und manchmal machen Sie uns sogar noch wütender. Den „heiligen Zorn“ lassen wir uns nicht nehmen. Die heiße Luft im Wut-Ballon lässt sich nicht mit Argumenten kühlen. Und wenn wir uns dann noch kritisieren wegen unserer Unvernunft und unserem schwachen Willen, bläst das nur weitere heiße Luft in den Ballon.

Den Kampf gegen die Wut verlieren wir. Ihn aufzugeben ist eine große Chance und eine große Herausforderung, die sich aber zu meistern lohnt. Denn Wut verliert Intensität, wenn wir sie als emotionale Realität anerkennen, als Reaktion auf gefühlte Bedrohungen, Verletzungen, Enttäuschungen oder Zurückweisungen. Das ok zur Wut reduziert Aggressivität und Handlungsdruck und macht uns wieder empfänglich für vernünftigere Überlegungen. Soweit die Theorie. Wenn Sie sie mit eigenen Erfahrungen anreichern möchten, lege ich Ihnen folgende Übung ans Herz. Sie bezieht sich nur auf Ärger, den kleinen Bruder der Wut, erstens weil wir ihm im Alltag öfter begegnen und zweitens, weil wir „blind vor Wut“ einen großen Teil unserer Wahrnehmungsfähigkeit einbüßen.

  • Wenn Sie bemerken, dass Sie sich über irgendetwas ärgern oder geärgert haben, erzählen Sie jemand Unbeteiligtem von Ihrem Ärger.
  • Achten Sie bei dem Gespräch auf Ihre Reaktionen und die Ihres Gegenübers. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Lassen Sie dem Gesprächsverlauf seinen Lauf. Erlauben Sie sich, auch diese Übungsanleitung locker und spielerisch zu nehmen, lediglich als Impuls, sich im Gesprächsverlauf immer wieder daran zu erinnern, bewusst auf sich und Ihr Gegenüber zu achten.
  • Nehmen Sie wahr, wie Ihr Gegenüber auf Ihre „Ärger-Erzählung“ reagiert: neutral, verständnisvoll, zustimmend, beschwichtigend, besänftigend, ablenkend usw. Prüfen Sie, ob die Reaktion eher darauf zielt, Ihren Ärger kleiner zu machen, zum Verschwinden zu bringen oder ob sie eher zustimmend oder verständnisvoll ist.
  • Nehmen sie wahr, wie Sie auf die Reaktion Ihres Gegenübers reagieren. Achten Sie vor allem darauf, was bei Ihnen passiert, wenn Ihr Gegenüber Ihnen den Ärger ausreden möchte oder was bei Ihnen passiert, wenn Ihr Gegenüber dem Ärger zustimmt. Was passiert auf der Gefühlsebene, was auf der gedanklichen Ebene? Wie verändert sich ihre Beziehung und die Gesprächsatmosphäre?
  • Wiederholen Sie die Übung mit anderen Personen. So lernen Sie sich besser kennen und erkennen vielleicht, wie Sie gut mit sich umgehen können, wenn Sie ärgerlich oder wütend sind.

Ich wünsche Ihnen wenig Übungsanlässe.

 

Verwandte Achtsamkeitsimpulse