Loblied auf das faule Schwein


Dieser Achtsamkeitsimpuls ist nur für diejenigen, die es kennen: das faule Schwein in sich. (Alle anderen können weiterarbeiten.) Sein Merkmal ist die systematische Verweigerung des Dienstes an der Zielerreichung. Während andere Hoftiere wie Ackergaul, Lastesel, Huhn und Kuh ihren Daseinszweck schon in ihrem Leben vorweisen können, hat es das faule Schwein schwer mit seiner Lebensberechtigung, zumindest solange es lebt. Deshalb versuchen wir es gerne wegzubekommen. Das ist aber gar nicht so einfach und oft werden dabei Faulheit und Leistungssabotage nur größer.

Das ist auch gut so, denn faule Schweine haben wichtige Botschaften, die gehört und verstanden werden wollen, bevor sie von selbst wieder verschwinden. Vielleicht erinnern sie uns daran, dass wir unsere Anstrengungen und Leistungen, die wir alltäglich erbringen, zu wenig würdigen oder unseren Pausen- und Erholungsbedarf im Kampf um ehrgeizige Ziele einfach unterschätzen.
Vielleicht erinnern sie uns daran, dass das Leben nur hier und jetzt stattfindet und wir uns deshalb die Zeit nehmen sollten, die schönen Seiten der Gegenwart bewusst zu genießen und sie nicht dauernd der Arbeit an einer vermeintlich besseren Zukunft zu opfern.
Vielleicht mahnt es uns aber auch, dass die Ziele, für die wir ackern, zu wenig unsere eigenen sind und zu viel die anderer Leute. Das ist Gift für Spaß, Interesse, Initiative und Ausdauer.

Es lohnt sich, das faule Schwein in uns mehr wertzuschätzen und genauer hinzuhören, was es mitteilen kann. Seine Faulheit wird menschlicher und verständlicher, wenn wir uns mit ihm anfreunden. Wenn Sie also Ihre Demotivation oder Ihre Arbeitsunlust loswerden möchten, erforschen Sie sie. Hier eine Achtsamkeitsübung dazu:

  • Nehmen Sie sich 5 – 10 Minuten Zeit. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem, bis Sie ruhiger werden und die Außenreize Ihre Aufmerksamkeit weniger in Beschlag nehmen. Wenn es Ihnen hilft, schließen Sie die Augen.
  • Vergegenwärtigen Sie sich nun Ihre Lustlosigkeit zu arbeiten, initiativ zu werden oder Ihre Ziele zu befördern. Wie äußert sie sich? In welchen Situationen? Wie gehen Sie mit ihr um? Auch wenn Sie die Demotivation loswerden möchten und sie bekämpfen, versuchen Sie sie als Teil Ihres momentanen Lebens zu akzeptieren: „Ja, im Moment bin ich demotiviert oder lustlos.“ Vielleicht fallen Ihnen noch passendere Wörter ein.
  • Nehmen Sie sich nun Zeit, Ihre Arbeitsunlust zu erforschen: Welche Gedanken oder Gefühle tauchen auf, wenn Sie an sie denken. Vielleicht helfen Ihnen bei der Erforschung auch Fragen. Zum Beispiel: Was würde meine Arbeitsunlust sagen, wenn sie sprechen könnte? Wie ist die Balance zwischen Anstrengung und Erholung im Moment? Wie ist die Balance zwischen Gegenwart und Zukunft? Wie gut passen meine Ziele bei der Arbeit oder im Privatleben tatsächlich zu mir?
  • Versuchen Sie alles, was auftaucht nur zur Kenntnis zu nehmen und nicht als gut oder schlecht zu beurteilen oder als „so-darf-ich-nicht-denken“ zu bewerten. Vertrauen Sie darauf, dass sich allein schon dadurch etwas verändert, dass Sie sich der Gedanken und Gefühle bewusst zu werden.
  • Geben Sie Ihrem „faulen Schwein“, Ihrer Demotivation oder Arbeitsunlust einen Namen, der nicht abwertend ist und die positive Seite betont, z. B. Regeneration, Genießen, Veränderungsimpuls, Wegweiser.
  • Es kann sein, dass Handlungsimpulse auftauchen. Prüfen Sie diese Impulse: Sind sie darauf ausgerichtet, etwas schnell in Angriff zu nehmen, um sich zu beruhigen und doch alles beim Alten zu lassen oder sind sie der Anfang von etwas Neuem. Und gestehen Sie sich viel Zeit zu, wenn Sie wirklich etwas verändern möchten.

Ich wünsche Ihnen wertvolle Einsichten beim „Faulenzen“.

 

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