Gutes für andere im (Rück-) Blick

von | Dez. 11, 2025 | Umgang mit anderen, Umgang mit sich

Alle Jahre wieder flattern auf allen Kanälen Spendenaufrufe ins Haus. Meistens entsorgen wir sie schnell oder ignorieren sie einfach, oft mit leicht schlechtem Gewissen und manchmal auch verärgert über diese Gewissenbiss-Trigger, die unsern „Sozialwert“ schmälern. Angesichts des riesigen Hilfsbedarfs in der großen Welt oder in unserer kleinen Familien- und Berufswelt schleicht sich leicht das Gefühl ein, egoistisch zu sein, weil wir nicht genug für andere tun oder getan haben.

Aber stimmt das denn? Sind wir wirklich so egoistisch? Ich glaube nicht. Nur übersehen wir unsern Beitrag zum Allgemeinwohl. Manchmal einfach nur, weil er uns selbst Spaß macht. Aber wird die Zeit, die wir der Enkelin schenken dadurch weniger wertvoll für die Enkelin. Ist es weniger wertvoll für den Kollegen, wenn wir uns geduldig seine Probleme anhören oder für die Freundin, wenn wir sie im Leid trösten, nur weil wir uns selbst dabei ein bisschen stärker fühlen. Wird das Lächeln, dass wir jemand schenken, dadurch weniger wert, weil wir uns daran freuen, wie es erwidert wird. Nein im Gegenteil. Als Mensch sind wir so gestrickt, dass wir Spaß daran haben, Gutes zu tun. Denn es tut uns selbst gut, wenn wir sehen oder zumindest erahnen können, dass unser Tun für andere einen Unterschied macht und die Welt ein Stückchen besser. Wir tun für andere viel mehr als wir von uns selbst glauben.

Wenn Sie möchten, prüfen Sie das in einem Jahresrückblick, wie Sie in diesem Jahr für andere einen wohltuenden Unterschied gemacht haben. Hier ein paar Reflexionshilfen dazu.

  • Wann, wo und wie haben Sie im Laufe des Jahres durch das, was Sie gesagt, getan oder auch unterlassen haben, anderen geholfen, sie unterstützt, getröstet, ihnen Zeit, Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit oder sogar Liebe geschenkt, sie bestätigt, ermutigt, gefördert, ihnen den Vortritt gelassen, sie vor Gefahr gewarnt oder aus ihr gerettet. Schätzen Sie auch die kleinen, alltäglichen, spontanen Aktionen nicht gering: den Kaffee für die Kollegen, die Besorgungsfahrt für den Nachbarn, die Verteidigung eines zu Unrecht Kritisierten, der Krankhausbesuch trotz vieler Termine, das Gut-gemacht-Lob für den Partner, der Verzicht auf die nächste Runde im Beziehungskampf, der Ausflug mit den Kindern, der ihnen selbst eigentlich zu viel war, das ehrliche Feedback für einen Bewerber, das ihnen selbst schwer gefallen ist oder einfach nur die Parklücke, die Sie einem anderen überlassen haben.
  • Es ist nicht wichtig, was oder wieviel Ihnen einfällt. Wichtig ist, dass Sie in jedem einzelnen Fall auf den positiven Unterschied für die anderen schauen, der durch Sie in die Welt gebracht worden ist. Vielleicht können Sie ihn direkt an der Reaktion der anderen ablesen: am Glanz ihrer Augen, Ihrer versteckten oder ausgedrückten Freude oder Dankbarkeit. Vielleicht können Sie ihn an den positiven Folgen Ihres Verhaltens entdecken, wie sich die Dinge zum Guten weiterentwickelt haben. Manchmal, z.B. bei Spenden, müssen wir uns mit Vermutungen und Vorstellungen über die Auswirkungen unserer Taten begnügen. In jedem Fall ist es wichtig, sich diese bewusst zu machen. Nur dann entdecken wir unseren Einfluss und lernen, uns wieder darüber zu freuen, die Welt ein kleines Stückchen besser gemacht zu haben.
  • Das ist keine Selbstbeweihräucherung, sondern lediglich die Achtung vor der Wirklichkeit oder besser: Ihrer Wirkung. Diese wird auch nicht kleiner durch den Einwand, dass andere in der Situation das gleiche getan hätten oder alles sowieso kein Ding wäre, weil es einfach „auf dem Weg lag“ oder viele andere Leute und die Gunst der Stunde entscheidend gewesen wären. Solche Gedanken, so zutreffend sie sein mögen, behindern und schmälern die Freude und manchmal auch den Stolz darüber, dass wir anderen Gutes getan haben und dass wir es bewirkt haben. Denn so wie wir gestrickt sind, sind diese Gefühle der beste Boden, auf dem im nächsten Jahr wieder Gutes wachsen kann. Aber Vorsicht: Nicht gleich wieder einen Vorsatz draus machen, die eigene Wirkung mehr zu beachten, um dann doch wieder die Welt retten oder selbst besser sein und mehr geben zu wollen, als wir geben können. Das ist ein Weg, auf dem wir kalt, hartherzig, egoistisch und krank werden.

Ich wünsche Ihnen eine (Selbst-) wertvolle Rückschau..

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