Glück – eine Frage des Fokus


Den Fokus unserer Aufmerksamkeit richten wir automatisch auf das, was uns stört, unangenehm ist und deshalb anders sein soll, wie es ist: der Kratzer im Autolack, die Nicht-Einladung zu einer Besprechung, die vermasselte Präsentation oder die zu vielen Pfunde auf den Hüften. Anlass für Ärger, Klagen, Hader und Vorwürfe gibt es täglich genug, egal ob bei der Arbeit oder zu Hause. Das ist so und lässt sich nicht abstellen.

Doch unsere Zufriedenheit und unser Glück müssen dadurch nicht leiden. Es sei denn, wir bleiben mit unserer Aufmerksamkeit an den Unvollkommenheiten des Lebens hängen, wie die Fliege im Spinnennetz. Dann entwickeln wir Gewohnheiten, das Negative zu sehen mit den dazugehörigen schlechten Gefühlen. Wir vergessen, dass wir nur auf einen kleinen Bildausschnitt fokussieren und der Ausschnitt wird unbemerkt zum ganzen Bild.

Das passiert dauernd. Hören Sie sich selbst oder anderen zu, in Betriebskantinen, Pausenräumen, Vereinsversammlungen oder bei Familientreffen. Mit etwas Abstand können Sie erkennen, wie oft wir übertrieben klagen und hadern, ohne die Übertreibung zu erkennen oder uns einzugestehen. Dieser „defensive Pessimismus“ schützt uns zwar davor, enttäuscht zu werden oder Veränderbares außerhalb unserer Komfortzone anzupacken, aber der Preis ist hoch: schlechte Stimmung, Unzufriedenheit und Ohnmachtsgefühle.

Die folgende Übung kann helfen, den Fokus immer wieder zu weiten und auch das Positive zu sehen, wenn unsere Aufmerksamkeit von Negativem gebannt wird. Diese Mantra-Übung verdanke ich James Baraz, einem meiner Achtsamkeitslehrer. Wie wirksam sie sein kann, zeigt ein amüsantes, englisches, aber gut verständliches Video mit seiner 91jährigen Mutter: How my son ruined my life. Hier nun die Übung:

  • Achten Sie in Ihrem beruflichen und privaten Alltag darauf, wenn Sie über gegebene Umstände, sich selbst oder andere in einem Gespräch oder innerlich klagen oder sich Sorgen machen, egal ob über Großes oder Kleines.
  • Jedes Mal, wenn Sie Ihre Klagen oder Sorgen bemerken, ergänzen Sie sie innerlich mit „… und ich weiß, dass ich wirklich gesegnet bin.“ oder mit „… und ich weiß, dass ich wirklich dankbar sein kann“. Entscheiden Sie sich für eine Floskeln, die Ihnen am meisten zusagt. Wiederholen Sie die Floskeln, sooft es für Sie stimmt oder es Ihre Befindlichkeit oder die Situation zulässt. Machen Sie sich keinen Stress.
  • Es ist nicht wichtig, sich bei den Floskeln etwas vorzustellen oder sie tatsächlich zu meinen. Je anspruchsloser, Sie die Floskeln sprechen oder denken, umso eher stellen sich von alleine Ideen ein, womit sie im Moment gesegnet sind oder wofür Sie dankbar sein können. Die Floskeln funktionieren dann wie eine mentale Suchmaschine, deren Suchalgorithmus durch zu viel Absicht gestört wird.

Ich wünsche Ihnen viel Neugier auf und Freude mit der Welt außerhalb des Tunnelblicks.

 

 

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