Unentschieden


Das Leben hält immer wieder schwierige Entscheidungssituationen für uns bereit. „Eigentlich müsste ich …, aber …“ Eigentlich müsste ich meinen Überzeugungen, Wünschen, Neigungen, Absichten, Impulsen folgen, aber ich befürchte, Wohlstand oder Wertschätzung zu verlieren oder dem Neuen nicht gewachsen zu sein. Eigentlich bezahlen wir täglich mit realen Einbußen unseres Wohlbefindens, mit Unzufriedenheit, Depression und Ärger, aber unsere Zukunftssimulationen, so übertrieben und phantasiert sie sein mögen, lösen reale Ängste hier und jetzt aus. Der Spielstand ist quälend unentschieden.

Gerne würden wir die Qual beenden und eine Entscheidung herbeiführen. Aber auch das Schwingen des moralischen Zeigefingers, endlich mutig zu sein oder sich mit der Situation abzufinden, ändert nichts. Das unentschieden bleibt. Zeigefinger schießen eben keine Tore.

Wichtige Entscheidungen können wir nicht mit Argumentieren erzwingen. Sie sind keine reinen Kopfgeburten. Ohne Herz und Bauch halten auch die Füße still. Und meistens müssen die Wege zwischen Kopf, Herz und Bauch mehrmals zurückgelegt werden, damit sich die Situation klärt. Das braucht Zeit. Entscheidungen müssen eben reifen. Und vorschnelle Entscheidungen sind genauso unbekömmlich wie unreife Äpfel. Das Beste, was wir tun können, ist, uns die Gegenspieler und wie sie sich gegenseitig neutralisieren genauer anzuschauen. Denn meistens bekommt das Spiel im Scheinwerferlicht vor einem interessierten, geduldigen und wohlwollenden Zuschauer eine ganz andere Dynamik. Manchmal tauchen sogar neue taktische Optionen auf, die das Spiel überraschend schnell, aber anders als erwartet, entscheiden können. Der Schlüssel dazu ist die Haltung des Zuschauers. Deshalb hier eine Achtsamkeitsübung zur „Zuschauerschulung“.

  • Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit zur Selbstreflexion. Einige bewusste Atemzüge unterstützen Sie, ruhiger zu werden und Ihre Aufmerksamkeit nach innen zu richten.
  • Vergegenwärtigen Sie sich Ihre Situation mit den Entscheidungsoptionen und Ihrer Unentschiedenheit. Versuchen Sie, den vielleicht vorhandenen Hader aufzugeben, dass Ihnen im Moment eine Entscheidung nicht gelingt. Geben Sie auch den Wunsch auf, dass diese Übung zu einer Entscheidung führen sollte. Erlauben Sie sich, so zu sein, wie Sie im Moment sind, nämlich unentschieden.
  • Machen Sie sich bewusst, wie Sie die momentane Situation, die Sie eigentlich gerne ändern würden, tagtäglich belastet: Welche Gedanken, Wünsche, Handlungsimpulse und Gefühle tauchen auf. Versuchen Sie die Gefühle zu benennen. Das hilft Ihnen, sich von Ihnen nicht überschwemmen zu lassen.
  • Erforschen Sie dann Ihre „Zukunftssimulationen“, wenn Sie das tun würden, wofür Sie sich bisher nicht entscheiden konnten. Achten Sie dabei auch auf die Gefühle, die diese Vorstellungen auslösen. Richten sie den Fokus der Aufmerksamkeit nicht nur auf die negativen, sondern auch auf die positiven Zukunftsphantasien. Vielleicht bemerken Sie dabei, wie realistisch oder übertrieben sie sind, sowohl die negativen als auch die positiven.
  • Um das Für und Wider der Situation noch deutlicher ins Scheinwerferlicht des Bewusstseins zu bekommen, schreiben Sie nach Beendigung der Selbstreflexionsübung alles auf, was Ihnen einfällt. Schreiben Sie ohne abzusetzen und ohne zu überlegen. So bekommt nicht nur der Kopf, sondern auch Herz und Bauch Zugang zum Stift und zum Licht.

Sie können darauf vertrauen, dass allein das Bewusstwerden der momentanen Belastungen und Befürchtungen schon die Entscheidung reifen und vielleicht auch neue Optionen erkennen lässt.

 

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