Von Wahrheiten und Fake News


Die Scheibe ist kaputt. Einfach weiterfahren als wäre nichts geschehen? Eher nicht. Ärger und Hader helfen nicht. Nur eine neue Scheibe. Die Einsicht führt uns ziemlich schnell zur Autowerkstatt.

So einfach ist es in unserm Leben nicht. Auch wenn die Dinge eigentlich genauso offensichtlich sind, so zerbrochen und beschissen. Eigentlich ist klar, dass der Job schon lange nicht mehr ausfüllt oder überfordert, dass die Beziehung hohl, die Krankheit lebensbedrohlich ist und dass wir es sind, die täglich das Klima wandeln. Eigentlich ist klar, dass es nicht mehr so weitergeht wie bisher. Doch das ernst zu nehmen, tut weh, bedeutet Abschied und macht Angst. So werden wir Meister darin, die Dinge, so wie sie sind, zu ignorieren, herunterzuspielen, schön zu reden, uns abzulenken oder mit den „Steinschlägen“ des Lebens zu hadern, an denen die anderen schuld sind und die es deshalb auch gefälligst zu richten haben. Eigene Veränderungen sind anstrengend und riskant. Da können uns Trainer oder Therapeuten viel über große Chancen erzählen. Angst frisst Mut.

Alles zutiefst menschlich. Kein Grund, sich zu verurteilen. So sind wir gestrickt. Wir tun alles, um Trauer, Ohnmacht oder Verzweiflung nicht zu spüren und Risiken zu vermeiden. Doch an der Wahrheit führt letztlich kein Weg vorbei. Wirksame Veränderungen wachsen nur, wenn wir die Dinge so annehmen, wie sie im Moment tatsächlich sind, egal ob es um zerbrochene Scheiben, Führungsschwächen, Einsamkeit oder Krebsdiagnosen geht.

Leicht gesagt und schwer getan. Auch weil wir oft vergessen, dass die Akzeptanz der kleinen und großen Widrigkeiten des Lebens damit anfängt, unsere spontanen Reaktionen auf sie zu akzeptieren, uns zuerst einmal so liebevoll wie möglich, zuzugestehen, so zu reagieren, wie wir reagieren. Ohne Wenn und Aber. Hier eine Achtsamkeitsübung dazu.

  • Entschließen Sie sich am Morgen, während des Tages auf die Widrigkeiten des Lebens zu achten, darauf, was Sie stört oder ärgertund was Sie gerne anders hätten, als es gerade ist, z. B. das unerfreuliche Telefonat, der Berg von Arbeit auf Ihrem Schreibtisch, der Konflikt mit der Tochter, die Schmerzen im Rücken usw.
  • Fällt Ihnen etwas Unangenehmes auf, achten Sie auf Ihre spontane Reaktion darauf. Was denken Sie? Wie reagieren Sie emotional und körperlich? Welche Handlungsimpulse haben Sie?
  • Dann erlauben Sie es sich, innerlich genauso zu reagieren, wie Sie jetzt reagieren. Erlauben Sie sich, in diesem Moment destruktiv, demotiviert, angstvoll, enttäuscht, verärgert, aggressiv, gelangweilt,traurig, empört usw. zu sein. Vielleicht wird diese Erlaubnis noch spürbarer, wenn Sie sie innerlich in Worte fassen, z. B. Es ist ok, wenn ich so denke, fühle und solche Handlungsimpulse habe. Ich erlaube es mir. Es ist ok, so zu sein.
    Damit ist nicht gemeint, alle Reaktionen gut zu finden oder sich zu erlauben, jedem Handlungsimpuls auch nachzugehen. Den Impuls zu haben, jemand an die Gurgel zu gehen ist etwas völlig anderes, als jemand wirklich an die Gurgel zu gehen.
  • Achten sie darauf, was passiert, wenn es Ihnen gelingt, sich so anzunehmen, wie Sie jetzt sind. Vielleicht fällt Ihnen etwas auf oder ein? Vielleicht verändern sich Gefühle und Handlungsimpulse oder ihre Intensität? Lassen Sie sich von sich selbst überraschen.

Ich wünsche Ihnen eine GROSSE Portion Mitgefühl für Ihre Fake News.

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