Gedanken trainieren


Inflation, explodierende Energiekosten, verwundbare Infrastruktur, Kriegsgefahr, Klimawandel, die nächste Coronawelle, die Aussicht, dass die Probleme auch morgen nicht vom Tisch sind und die Einsicht, dass wir als Einzelne nur wenig zu ihrer Lösung beitragen können, sind Grund genug, sich Sorgen zu machen, Angst zu bekommen und sich vom notwendigen Lebens-Wandel überfordert zu fühlen. Das ist verständlich. Aber Verständnis reicht nicht, um zuversichtlicher und vertrauensvoller, die Zukunft auf sich zukommen zu lassen. Vielleicht helfen Ihnen dabei folgende Gedanken.

Die Resilienz- und Glücksforschung belegt, dass unser Glück nur zu einem kleinen, einem sehr kleinen Teil von den äußeren Umständen abhängt. Es hängt viel mehr davon ab, wie wir mit ihnen umgehen, in Gedanken, Worten und Taten. Die gute Botschaft ist: Wir sind unseres Glückes Schmied. Auf das, was wir denken und tun haben wir großen Einfluss. Die schlechte Botschaft ist: der Einfluss ist kleiner, als uns lieb ist. Wer hat nicht schon erfolglos versucht, unproduktives und stimmungskillendes Gedankenkreisen zu stoppen.

Schnell sind wir dabei, uns zu kritisieren oder glauben, unfähig zu sein, wenn wir uns und unsere Gedanken nicht so willkürlich ändern können. In geistigen Dingen hängen wir noch viel zu oft dem Irrglauben an, dass Einsicht zur Veränderung ausreiche und wenn nicht, dass das nur unsere Schwäche oder Unfähigkeit zeige. Das ist einfach Humbug. Unsere innere Fitness verändert sich genauso wie unser körperliche nur mit Training. Und das ist die zweite gute und gleichzeitig schlechte Botschaft. Wir können unser Glück beeinflussen, aber dafür müssen wir auch etwas tun. Immer wieder.

Es gibt viele verschiedene Wege, Glück und Zuversicht zu stärken, auch in einer Zeit, in der gewohnte Sicherheiten zerbröseln und Bedrohungen wachsen. Hier ist einer davon:

  • Wenn Sie bemerken, dass Sie sich über die Zukunft Sorgen machen, halten Sie inne und machen Sie sich klar, dass Gedanken über die Zukunft keine Wahrheiten, sondern immer Phantasien sind, die auch durch ihre Gefühle nicht wahrer werden.
  • Fragen Sie sich also nicht, wie wahr die Gedanken, sondern wie hilfreich sie für Sie und Ihr Wohlbefinden sind. Gedanken über die Zukunft können Sie motivieren, sich auf mögliche kommende Ereignisse vorzubereiten, z.B. auf längere Stromausfälle, Sie können Sie aber auch deprimieren, weil Sie sich z.B. befürchteten Ereignissen ohnmächtig ausgeliefert fühlen.
  • Falls Sie glauben, dass die Gedanken eher nicht hilfreich sind, bedeutet das nicht, dass Sie sie einfach stoppen können, aber Sie haben mindestens drei Möglichkeiten, einen Gedankenstopp zu unterstützen. 1) Sie können, so entschlossen wie möglich, Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, Erfreulicheres richten, sich also ablenken, eine oft zu Unrecht abgewertete Strategie. 2) Sie können überlegen, wie Sie die Dinge anders sehen können. Sie können z.B. nach den Vorteilen und Chancen zukünftiger Entwicklungen suchen, die es fast immer auch gibt. 3) Sie können das Übel an der Wurzel packen und die Anlässe reduzieren, die deprimierende Gedanken auslösen, indem Sie z.B. Ihren Nachrichtenkonsum einschränken.
  • Kosten Sie auf jeden Fall die positivere Stimmung aus, wenn es Ihnen gelingt, unproduktive Gedanken zu reduzieren oder loszulassen und klopfen Sie sich auf die Schulter, dass Ihnen ein Gedankenstopp gelungen ist. Beides, das Fühlen des Positiven und das Anerkennen der eigenen Leistung verankern die Strategie im Hirn.
  • Dann das Wichtigste: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn die unangenehmen Gedanken hartnäckig dableiben. Seien Sie verständnisvoll, geduldig und mitfühlend mit sich und gestehen Sie sich zu, dass auch im Feld des mentalen Trainings noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und kontinuierliches Üben dazu gehört.
  • Und vielleicht fördern Sie die Kontinuität Ihres Trainings mit einem Erinnerungsanker, z.B. der an die Wand gepinnten Frage: Ist das, was ich gerade denke, förderlich oder hinderlich für mich?

Ich wünsche Ihnen viele wohltuende Gedanken.

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