Haltung bewahren


Corona fordert uns einiges an Haltung ab: die Zahlen ernstnehmen ohne in Panik zu geraten, die Beschränkungen akzeptieren, ohne sich ohnmächtig zu fühlen oder in Wut und Widerstand zu verfallen, die Kontakte einschränken ohne sich einsam zu fühlen, die Unabsehbarkeit der Pandemie im Großen und die persönlichen Unsicherheiten im Kleinen anerkennen ohne sie herunterzuspielen oder zu dramatisieren. Und Corona kommt ja on top. Der Alltag mit Beruf, Kindern, Umzügen, Trennungen, Rückenbeschwerden ist ja auch noch da. Wohlbefinden, Lebensfreude und Zuversicht waren schon einfacher zu haben.

Zumindest ist diese Situation ein guter Anlass, die Kraft der Meditation kennenzulernen und zu nutzen. Denn in der Meditation trainieren wir genau die Haltung, die wir brauchen, um uns nicht von unangenehmen Gefühlen überschwemmen zu lassen, den Kopf über Wasser zu halten und auch das noch zu sehen, was freudvoll, gesund, stabil und stark ist.

Die Psychologie hat herausgefunden, dass die äußere Haltung einen großen Einfluss auf das innere Erleben hat. Selbst ein gewolltes Lachen im stillen Kämmerlein hebt die Stimmung und eine zwei Minuten gehaltene Siegerpose stärkt nachweislich das Selbstvertrauen. Wir können also darauf vertrauen, dass die äußere Haltung in der Meditation auch innen wirkt. Und da der Körper einfacher zu beeinflussen ist als der Geist, dreht sich die folgende Achtsamkeitsübung um die äußere Haltung bei einer Meditation. Diese Meditation können Sie überall durchführen, wo Sie sitzen können und eine Zeitlang ungestört sind: am Schreibtisch, zu Hause oder auf einer Parkbank.

  • Setzen Sie sich auf einen Stuhl, einen Hocker oder eine Bankund legen Sie fest, wie lange Sie meditieren möchten. Es sollten mindestens 5 Minuten sein. Lassen Sie sich von Ihrem Handy das Ende der Zeit signalisieren oder lassen Sie sich von meiner Audioanleitung durch die Meditation führen.
  • Stellen Sie die Füße flach auf den Boden und legen Sie die Hände in den Schoß oder auf die Beine, so dass Sie die Arme und Hände nicht zu halten brauchen. Schauen Sie vor sich auf den Boden oder schließen Sie die Augen.
  • Spüren Sie die Kontaktflächen Ihres Körpers mit dem Stuhl und dem Boden. Dieses bewusste Spüren des Körpergewichts auf der Unterlage, fördert das Gefühl von Stabilität und verlässlichem Getragen werden. In einer Welt, in der vieles ins Schwanken gerät, kann Stabilität eine wertvolle körperliche Erfahrung sein.
  • Richten Sie sich dann im Stuhl auf, so dass Sie Ihrem Körper den Raum geben, der ihm zusteht. Öffnen Sie den Brustraum. Dadurch entsteht Weite, in dem das Angenehme und das Unangenehme Platz haben. Die Weite unterstützt dabei, die momentane Erfahrung als subjektive Realität anzuerkennen und sich weniger darin zu verstricken, eine bessere Gegenwart haben zu wollen.
  • Entspannen Sie Sich bewusst von Kopf bis zu den Füßen. Die Entspannung ist ein Zeichen dafür, dass Sie jetzt keine Ziele oder Zustände erreichen müssen.
  • Spüren Sie Ihre Hände, wie Sie auf den Beinen oder im Schoß liegen. Nutzen Sie die Hände als Meditationsfokus, als mentaler Ankerplatz, zu dem sie immer wieder zurückkehren können, wenn die Aufmerksamkeit abgeschweift ist. Die Hände sind Zeichen dafür, dass Sie alles so sein lassen können, wie es im Moment gerade ist.
  • Seien Sie so freundlich, geduldig, wohlwollend und mitfühlend wie möglich mit sich Erneuern Sie Ihre Aufrichtung und Ihre Entspannung, wenn Sie bemerken, dass Sie zusammengesunken sind oder sich wieder angespannt haben.
  • Machen Sie sich am Ende der Meditation bewusst, dass Sie die Realität mit allem Angenehmen und allem Unangenehmen (aus-) gehalten haben.

Ich wünsche Ihnen den Mut und die Entschlossenheit, die Hände immer wieder mal in den Schoß zu legen.

Audioanleitung für eine etwa zehnminütige Meditation:

Mit der rechten Maustaste (Ziel speichern unter …) können Sie hier die Meditationsanleitung herunterladen.

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