Zwischen Home und Office


Müssen, sollen oder wollen einerseits; Erholung, Spaß oder Lust andererseits: wie regeln Sie die Balance? Vielleicht gar nicht, weil sie durch Alltags- und Arbeitsorganisation oder (Denk-) Gewohnheiten „immer schon“ geregelt ist? Oder ist jeder Tag eine Herausforderung, die Balance neu oder überhaupt zu finden?

Auf jeden Fall beantworten wir diese Fragen mit unserem Leben. Es könnte sich also lohnen, genauer hinzuschauen, sowieso eine gute Idee in einer Welt, die sich rasend verändert, in der Freiheitsgrade zunehmen – zumindest bei uns – und Entscheidungen individueller getroffen werden müssen. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist das Homeoffice, von Corona erzwungen aber wohl auch nach Corona eine neue Option für viele.

Für manche eine glückliche Fügung. Denn die Vorteile des Homeoffice sind offensichtlich und vielgestaltig, wie die Arbeit und das Zuhause selbst. Die Herausforderungen allerdings auch. Für die einen ist es schwer, sich zwischen Küche, Kindern, Familienkrach (im doppelten Wortsinn) und Kabelsalat zu konzentrieren. Andere erleben häusliche Ruhe und fehlenden Flurfunk als Einsamkeit und Nichtdazugehören. Und viele sind herausgefordert, selbständig Grenzen zu setzen: uferloser Online-Ablenkung genauso wie Online-Arbeit ohne Pausen und Feierabend.

Allgemeine Ratschläge, Tipps oder Handlungsempfehlungen, wie solche Herausforderungen gemeistert werden können, sind selten hilfreich. Das merken wir daran, dass wir ihnen kaum folgen, auch wenn die Situation belastet. Den Lösungsweg müssen wir wohl selbst finden.

Hier eine Achtsamkeitsübung dazu, die zwar auf das Homeoffice bezogen ist, aber auch auf andere Situationen passt, in denen viele, vielleicht widersprüchliche Interessen aufeinandertreffen und in der Sie nicht zufrieden sind mit Ihrem „Interessensausgleich“.

  • Nehmen Sie sich mindestens 5 Minuten Zeit, um sich Ihre Home-Office-Situation zu vergegenwärtigen. Stellen Sie sich die Uhr, wie lange Sie die Übung machen möchten. Das hilft, den Impulsen, die Übung abzubrechen, nicht nachzugeben.
  • Machen Sie sich bewusst, dass das Ziel der Übung nicht das Finden einer Lösung oder sogar einer To-do-Liste ist, sondern allein darin besteht, sich der vielen Aspekte einer komplexen Situation bewusster zu werden. Dinge werden klarer gesehen und bekommen neue Bedeutung. Und manchmal tauchen auch dadurch neue Ideen für Veränderungen auf. Als Geschenk. Nicht als angezieltes Ergebnis.
  • Beginnen Sie die Übung damit, bewusst auf Ihren Atem zu achten. So schaffen Sie Abstand zu dem, was Sie gerade noch getan haben oder noch tun müssen.
  • Vergegenwärtigen Sie sich Ihre Arbeit im Home-Office. Vielleicht fallen Ihnen konkrete Situationen ein. Erforschen Sie diese: Was tun Sie gerade? Sind vielleicht noch andere Personen im Raum oder in der Nähe? Was geschieht? Welche Gedanken, Gefühle oder Stimmungen tauchen auf? Nehmen Sie alles, was Ihnen bewusst wird, mit wohlwollendem Interesse zur Kenntnis, ohne sofort darauf zu reagieren, wenn Sie etwas stört oder missfällt. Lassen Sie auch das Unangenehme, da sein, zumindest während der Übung. So gut Sie es können. Nicht besser.
  • Wenn Ihnen bewusst wird, dass die Gedanken zu anderen Themen abgeschweift sind, was immer wieder passieren wird, denken Sie einfach wieder an Ihre Home-Office-Situation, ohne Selbstvorwürfe. Vielleicht wächst die Bereitschaft, die Achtsamkeitsübung durchzuhalten, wenn Sie sie als Konzentrationstraining verstehen. Aber Achtung: Solche Vorstellungen helfen nur, wenn es Ihnen gelingt, das Training spielerisch zu nehmen, sich Abschweifungen nicht vorzuwerfen und freundlich zu sich zu bleiben. Denn die Gedanken sind frei. Oft freier als wir möchten.
  • Um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, können Sie sich innerlich solche oder ähnliche Fragen stellen: Welche Interessen, Wünsche gibt es? Eigene und die anderer, zuhause und bei der Arbeit? Welche werden mehr erfüllt, welche weniger? Welche Ansprüche haben Sie oder andere an Ihre Arbeit? Welche Ansprüche haben Sie und andere an Ihre Zeit? Was gefällt ihnen am Home-Office, was nicht? Welche Wünsche oder Befürchtungen haben Sie bzgl. des Home-Office?

Ich wünsche Ihnen aufschlussreiche Einsichten und Vertrauen in Ihre innere Weisheit.

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