Kurzurlaub vom Stress


Sind Sie gerade im Stress? Wenn ja, könnte es eine gute Idee sein, sich trotzdem die Zeit zu nehmen weiterzulesen. Wenn nicht, auch. Denn Sie können sicher sein, dass Ihnen stressige Zeiten bevorstehen. Die lassen sich nämlich nicht vermeiden, auch wenn wir es dauernd versuchen. Denn Stressoren liefert uns das (Arbeits-) Leben auch ohne Bestellung: Kränkungen, Konflikte, Corona, Chaos … Und auf vieles haben wir nur begrenzt Einfluss, den wir oft auch nur mit zusätzlicher Anstrengung geltend machen können.

Stress macht keinen Spaß, jedenfalls wenn er dicke kommt. Gerne wünschen wir uns dann einen Zeitsprung. Die Probleme sind gelöst, die Arbeit erledigt und die schwierige Zeit schon überstanden. Die Sehnsucht nach Normalisierung, Erholung und Urlaub, am besten von allem, wächst. Auch wenn die Zeiten der Entspannung kommen – sie kommen sicher – sind sie noch nicht da und wir müssen damit zurechtkommen, wie es im Moment ist. Eine der Lektionen, die uns Corona lehren kann.

Wenn die große Entspannung noch aussteht, bleiben uns nur kleine oder kleinste „Kurzurlaube“ zur Erholung. Die wirken auch. Allerdings nur, wenn diese Auszeiten ihren Namen verdienen und Pausen Pausen sind, Feierabende Feierabende und Erholungsaktivitäten tatsächlich erholen. Genau das gelingt im Stress oft nicht. Sorgen und To-do-Listen überfallen uns wie Mückenschwärme, kaum dass wir uns hinsetzen und ausruhen. Die Flucht in ungute Ablenkungsgewohnheiten und Süchte kennen wir alle.

Vielleicht ist Achtsamkeit deshalb so wirksam, weil wir dabei üben, mit diesem Mückenschwarm besser zu Recht zu kommen, in dem wir ihn weniger beachten und dann erleben, dass die Mücken zwar immer noch da sind, aber aufhören zu stechen.

Hier eine Übung, die helfen kann, trotz Mückenschwarm zu entspannen und uns darauf zu besinnen, dass wir jeden Augenblick, auch ohne etwas zu tun, auf das Leben, das uns geschenkt ist, vertrauen können, zumindest solange wir leben und nicht beatmet werden.

  • Entschließen Sie sich, für 5 – 10 Minuten, auf Ihren Atem zu achten. Stellen Sie sich einen Wecker. Gerade wenn der Stress groß ist, sind wir geneigt, bei der kleinsten Langeweile oder einem flüchtigen Gedanken daran, was alles noch zu tun ist, die Übung abzubrechen. Erlauben Sie sich diese Auszeit, in der nichts passieren, nichts getan und nichts erreicht werden muss. Allein der Entschluss und die Erlaubnis sind schon wertvoll und ein wichtiger Teil der Übung.
  • Stellen Sie das Atmen in den Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit und erforschen Sie es. Vielen hilft dabei, die Augen zu schließen. Achten Sie nun vor allem auf das Ende des Ausatmens und den Beginn des erneuten Einatmens. Wieviel Anspannung ist noch im Körper, wenn der Luftstrom des Ausatmens zum Ende kommt? Erlauben Sie ihrem Körper mit jeder Ausatmung noch mehr zu entspannen, so gut es im Moment eben geht, ohne Druck und ohne den Anspruch, vollständig zu entspannen.
    Achten Sie darauf, wie das Einatmen, vielleicht nach einer Pause, von ganz alleine beginnt, ohne aktives Zutun, ohne Anstrengung. Vielleicht bemerken Sie dabei, wie verlässlich Sie „beatmet“ werden.
  • Geben Sie den Kampf gegen den „Mückenschwarm“ der Gedanken, Sorgen, Planungen, Erinnerungen auf. Er ist sowieso aussichtslos. Lassen Sie den Mückenschwarm um Sie schwirren. Wenn Ihnen bewusst wird, dass Ihre Aufmerksamkeit von einem Gedanken gebannt und vom Atmen abgelenkt worden ist, gewissermaßen vom Stich einer Mücke, können Sie Ihre Aufmerksamkeit freundlich und mitfühlend – Stiche können weh tun – wieder zum Atem zurückbringen. Immer wieder. So geduldig und gelassen, wie möglich. Vergessen Sie nicht, Langeweile, Unruhe, Selbstvorwürfe, Idealvorstellungen oder ähnliche Erscheinungen sind auch nur „Mücken“, auf die Sie nicht reagieren müssen.

Ich wünsche Ihnen viele erholsame, „atmungsaktive“ Kurzurlaube.

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