Mentale Stressbremsen etablieren


Gerne glauben wir, dass die Situation, die äußeren Bedingungen oder andere Schuld sind, wenn wir vor lauter Arbeits- und Termindruck kaum noch zum Atmen kommen. Das ist ein Irrglaube. Er entlastet uns zwar und hilft uns klagen, was uns manchmal Verständnis und Mitgefühl einbringt. Diese sind aber nur Symptombehandlung. Die Ursachen unseres Stressempfindens werden dadurch kaum berührt. Denn so ungern wir das hören: die Ursachen liegen in uns. Es sind unsere Gedanken, unsere Befürchtungen, Bewertungen, und Katastrophenphantasien, die uns mit Angst, Wut oder Depression quälen und unsere Wahrnehmung auf die Probleme lenken und nicht auf deren Lösungen.

Das anzuerkennen, bedeutet leider nicht, dass wir uns einfach entscheiden könnten, von heute auf morgen, anders zu denken, wahrzunehmen, zu fühlen und zu handeln. Denn unsere Reaktionen auf die objektiven Belastungen, haben wir schon tausendfach wiederholt, eingeübt, automatisiert und in „mentales Beton“ gegossen. Ihn mit unserem Willen umgestalten zu wollen, ähnelt manchmal dem Versuch, Beton mit bloßen Händen zu bearbeiten. Den Kampf gegen unsere Gewohnheiten verlieren wir. So geht es eben nicht.

Aber wir können genau den gleichen Prozess der Gewohnheitsbildung nutzen, um neue, hilfreichere, heilsamere, der Situation angemessenere Denk- und Verhaltensautomatismen zu entwickeln und zwar absichtlich. Das bedeutet, die alten müssen uns auf- und die neuen einfallen und zwar in jeder Situation, in der sie hilfreich sein können. Dazu hilft, wie beim Üben von bestimmten Bewegungsabläufen im Sport, ein gezieltes Training neuer Gedanken. das nur darin besteht, sie immer wieder zu denken. Klingt einfach und kann es auch sein, wenn wir das Training ernst nehmen und klug gestalten. Der folgende Trainingsplan zeigt anhand des Beispiels von „zu viel Arbeit“ eine Idee, wie ein solches mentales Training aussehen kann und wie Sie es ohne großen Aufwand in Ihren Alltag integrieren können.

  • Entschließen Sie sich, das folgende Training eine Woche lang auszuprobieren. Nutzen Sie als Anlass für Ihr tägliches Training eine Tätigkeit, die sie sowieso regelmäßig mehrmals am Tag tun, wie den Toilettengang.
  • Fangen Sie klein an. Nehmen Sie sich vor, am Anfang den Aufenthalt im Toilettenhäuschen nur 30 – 60 Sekunden für Ihr Training zu verlängern. Später können Sie die Trainingszeit ausdehnen. Nutzen Sie die Zeit, den neuen Gedanken zu denken und seine emotionalen Auswirkungen zu spüren. Am einfachsten ist es, den Gedanken in einen Satz zu gießen, den Sie innerlich wiederholen können.
  • Hier ein paar Beispiele für Trainingssätze, die entlastende Gedankenalternativen bei zu großem Arbeits- und Termindruck sein können: „Ich bin mehr als meine Arbeit / meine Rolle / meine Funktion.“ „Ich darf Pausen machen und mich erholen.“ „Ich kann mir vertrauen: ich schaffe das.“ „Ich darf Fehler machen. Jeder macht Fehler.“ Es ist ok, Aufgaben nicht oder nur halb zu erledigen, wenn’s zu viele sind.“ „Ich bin auch wertvoll, wenn ich nicht alle Erwartungen erfülle. Niemand kann das.“ Wandeln Sie die Sätze so ab, dass sie für Sie passen oder finden Sie eigene. Ob Sätze passen, merken Sie, wenn Sie sie glauben können und von ihnen berührt werden.
  • Bleiben sie locker. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Sie merken, dass Sie während der Trainingszeit an alles Mögliche gedacht haben, nur nicht an Ihren Trainingssatz. Es zeigt Ihnen nur, wie wenig wir unsere Gedanken kontrollieren können und vertrauen Sie darauf, dass jeder Moment des neuen Denkens zählt.
  • Erwarten Sie nicht, dass sich Ihr Stressempfinden in einer Woche auflöst. Es reicht, wenn Sie minimale Veränderungen feststellen. Das ist schon viel und könnte motivieren, weiter zu trainieren. Im Übrigen entlastet Sie kein mentales Training davon zu versuchen, auch die äußeren Umstände zu verändern, z. B. in einem Gespräch mit Ihrer Führungskraft.

Ich wünsche Ihnen in vieler Hinsicht erleichternde Toilettengänge.

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