Stille und Sammlung


Man kommt in eine Besprechung. Der Körper ist schon da. Der Geist noch nicht. Es kann dauern, bis auch er im Besprechungsraum ankommt. Manchmal kommt er gar nicht an. So kann es gehen, wenn Smartphones, Abstimmungsbedarf, Arbeitsverdichtung und Termine gleichzeitig drücken. Davor sind wir alle nicht gefeit.

Präsenz und Aufmerksamkeit sind heute seltene und umso wertvollere Güter, die wir alle gerne geschenkt bekämen, aber selten genug bekommen und die wir – Hand aufs Herz – auch selten schenken, selbst wenn wir es möchten.

Das wirkt sich besonders auf die Effizienz von Besprechungen aus, egal ob zu zweit oder mit vielen. Deshalb haben Unternehmen damit begonnen, Besprechungen mit Stille zu beginnen, neudeutsch „Silent Start“, um dem Geist etwas mehr Zeit zu geben, in der Besprechung anzukommen. SAP hat dazu sogar ein kleines Video produziert: https://www.youtube.com/watch?time_continue=70&v=0YOdRRL4oFI

Wenn Sie selbst Erfahrungen mit einem Silent Start machen möchten, lade ich Sie ein, die folgende Achtsamkeitsübung vor einer Besprechung auszuprobieren.

  • Verschaffen Sie sich vor der Besprechung etwas Zeit, um sich zu sammeln. Sie können dafür jeden Ort nutzen, an dem Sie nicht gestört werden oder sich von Störungen abschotten können. Oft reicht der Blick auf Ihr Smartphone, um eine „Nicht-Stören-Zone“ zu schaffen und einen akzeptierten und unauffälligen Raum zur Sammlung zu schaffen. Das funktioniert im Treppenhaus genauso wie im Besprechungsraum, wenn z. B. noch Teilnehmer erwartet werden.
  • Beginnen Sie die innere Sammlung mit der Konzentration auf den Atem. Spüren Sie, so gut das im jeweiligen Moment möglich ist, wie der Atem in Ihren Körper einströmt und ihn wieder verlässt. Das ist für viele ein funktionstüchtiger Hebel, um die Aufmerksamkeit ins hier und jetzt zu bringen. Wenn es mit dem Atmen nicht gut funktioniert, konzentrieren Sie sich auf eine andere Stelle in Ihrem Körper, z. B. die Fußsohlen oder auf die Geräusche um sie herum.
  • Wenn Gedanken die Aufmerksamkeit ablenken, was fast immer passiert, bringen Sie sie einfach wieder zum Objekt ihrer Konzentration zurück, ohne sich Stress zu machen. Allein diese Art der Konzentration reicht schon, um sie wieder in der Gegenwart zu verankern und für die anstehende Besprechung präsenter zu machen.
  • Wenn Sie noch mehr zur Vorbereitung der Besprechung tun möchten, beantworten Sie diese Fragen: Warum bin ich hier? Was will ich hier? Was kann ich beitragen? Vielleicht kommt Ihnen dabei etwas in den Sinn, was für die Besprechung wichtig ist. Oder es wird Ihnen im Gegenteil bewusst, wie überflüssig sie für Sie ist oder was Sie tun können, um sie effizienter zu machen.

Wenn Sie selbst zu einer Besprechung eingeladen haben und mutig genug sind, ein bis zwei Minuten Stille im Raum auszuhalten, schlagen Sie einen Silent Start vor und testen Sie ihn. Dazu müssen Sie keine Anleitung geben. Es reicht, dass Sie dafür sorgen, dass es still ist, nicht gesprochen und kein Handy genutzt wird. Es gibt das wertvollste zu gewinnen, was Sie in Ihrer Besprechung geschenkt bekommen können: mehr Präsenz und Aufmerksamkeit.

Ich wünsche Ihnen gute Besprechungsergebnisse.

 

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