Waldbaden, ein analoges Abenteuer


Waldbaden ist populär. Kein Wunder. Alltagshektik, Arbeitsstress und Ausgelaugt-Sein nähren die Sehnsucht nach Ruhe, Rückzug und Erholung. Und dann Waldbaden. Das spricht an: Eintauchen in die Natur, die nichts von uns fordert, in den Wald, der uns irgendwie beruhigt und nährt. Ein bisschen Mystik und Nostalgie dürfen auch dabei sein als Labsal für die zwischen To-Do-Listen und Verkehrsstaus geschundene Seele.

Tatsächlich lässt sich die positive Wirkung des Waldes wissenschaftlich nachweisen. Und wer hat sie nicht auch schon erlebt. Dazu reicht ein einfacher Waldspaziergang. Mit etwas mentaler Vorbereitung und Achtsamkeit lässt sich diese wohltuende, entspannende und erfrischende Wirkung des Waldes deutlich spürbar verstärken.

Von den vielen Waldbade-Übungen, die uns die Augen öffnen sollen (und die anderen Sinne), stelle ich hier eine vor, die nicht nur wirken, sondern auch verblüffen kann und die Sie auch mit jemand zusammen machen können.

  • Die Übung beginnt mit dem Entschluss, etwas von ihrer Freizeit im Wald zu verbringen und ausnahmsweise dem Digitalen das Analoge vorzuziehen und zumindest während der Übung still zu sein. Hilfreich kann sein, etwas mitzunehmen, auf dem Sie sitzen können, wenn es feucht ist.
  • Wenn Sie im Wald sind, nehmen Sie sich Zeit, sich auf das „Baden“ vorzubereiten. Vielleicht finden Sie eine Bank oder einen Stamm, auf den Sie sich setzen können. Denken Sie nun bewusst an all die Dinge, die Sie im Moment beschäftigen, belasten oder die sie erledigen müssen oder möchten. Erlauben Sie sich, sich all dieser Dinge für die Dauer des Waldbadens zu entledigen. So wie man sich in der Umkleidekabine eines Schwimmbads der Alltagskleider entledigt, sie auf einen Bügel hängt und in einem Spint verstaut, können Sie sich vorstellen, Ihre Sorgen und Probleme auszuziehen und sie an einem Ast aufzuhängen oder unter der Bank zu verstauen. Diese Vorstellung hilft Ihnen, sich auf den Wald einzulassen.
  • Verlassen Sie nun den Waldweg und suchen Sie nach einem Platz im Wald, der Sie anspricht oder Sie anzieht und bleiben Sie dort. Vielleicht setzen Sie sich hin, wenn das der Platz zulässt.
  • Verweilen Sie an diesem Platz für 15 Minuten, auch wenn Sie befürchten, dass das sehr lange ist und langweilig werden könnte. Machen Sie sich mit dem Ort vertraut, mit allen Sinnen. Was sehen Sie? Am Boden, in der Nähe, weiter weg, um sie herum, am Himmel? Was riechen Sie? Was hören Sie? Ertasten Sie den Platz mit Ihren Händen, die Pflanzen, den Boden? Wie verändert sich das Hören, Riechen oder Tasten, wenn Sie die Augen schließen? Wenn Sie möchten, können Sie auch Schuhe und Strümpfe ausziehen und den Ort mit den Füßen erforschen.
  • Wenn die 15 Minuten vorbei sind, verabschieden Sie sich von Ihrem Platz. Wenn Sie möchten, gehen Sie dann wieder dorthin zurück, wo Sie Ihre „Alltagskleider“ ausgezogen haben und entscheiden Sie, ob Sie sie wieder anziehen.
  • Machen Sie zum Abschluss der Übung einen „Befindlichkeitscheck“: Wie geht es Ihnen jetzt? Wie fühlen Sie sich? Wenn sich etwas zum Positiven verändert hat, anerkennen Sie die Wirkung des Waldbadens. Diese bewusste Würdigung hilft Ihnen, in Erinnerung zu behalten, wie gut das Bad getan hat. Eine Wiederholung wird so wahrscheinlicher.

Ich wünsche Ihnen verblüfftes Staunen, wie kurz 15 Minuten ohne digitale Ablenkung sein können.

 

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