Weise Entscheidungen


Was sind weise Entscheidungen?… Pause … Nachdenken.

Es gibt sicher viele Antworten. Aber ein Aspekt wird oft dazugehören, nämlich dass die Entscheidung nicht nur die Vorteile für die eigene Person, die eigene Gruppe, Familie, Abteilung, Organisation usw. im Blick hat, sondern auch das größere Ganze, das Eingebettet- und Angewiesensein auf Ressourcen und andere. In Unternehmen versucht man diese Angewiesenheit durch Prozessdefinitionen zu reglementieren und zu operationalisieren. Ein sinnvolles und oft schwieriges Unterfangen, solange Abteilungsdenken und Wettbewerb mehr belohnt werden als Kooperation.

Eigentlich ist es offensichtlich: Auf jeder Ebene (Individuum, Gruppe, Gesellschaft …), in jeder Rolle (Mutter, Kollege, Vorgesetzter, Ministerin …) sind wir immer nur ein Teil von etwas Größerem, das wir zwar beeinflussen, aber nie kontrollieren können. Allein die Veränderung eigener Gewohnheiten offenbart, wie sehr unser Wille nur ein kleiner Teil des Organismus ist und zudem eher Schiffsjunge als Kapitän unseres Verhaltens. Und ein kleiner Virus erinnert uns daran, dass wir auch als homo sapiens immer noch Teil der Natur sind. Wir müssen atmen, essen, altern und sterben. Solche Prozesse lassen sich nur sehr begrenzt beeinflussen. Um sie am Laufen zu halten, sind wir auf besondere Ressourcen, wie Wasser, Bauern oder Pfleger angewiesen. Keine dieser Ressourcen ist heute einfach da.

Eigentlich können wir wissen, dass sich konsequente Egoismen, egal auf welcher Ebene, immer als Irrtümer mit verheerenden Konsequenzen erwiesen haben, manchmal schneller, manchmal langsamer. Und doch sind wir alle anfällig dafür, unsere kleinen Amerikas groß zu machen, genauso wie wir immer wieder krankmachenden Süßigkeiten verfallen. Naja, so sind wir halt als homo sapiens. Also kein Grund uns zu verurteilen, aber ein Grund, uns immer wieder daran zu erinnern, wie verbunden wir mit allem sind und sein müssen.

Die folgende Achtsamkeitsübung, oder besser: Hochachtungsübung, kann diese Angewiesenheit bewusst machen und uns vielleicht dazu verleiten, die eine oder andere Entscheidung vielleicht ein kleines bisschen bewusster und weiser zu fällen.

  • Jede Mahlzeit, auch der kleine Imbiss oder Kaffee zwischendurch, sind gute Gelegenheiten für diese Übung, die Sie auch als Tischgebet verstehen können.
  • Halten Sie vor dem Essen oder Trinken inne und nehmen Sie sich etwas Zeit, die folgenden oder ähnliche Fragen auf sich wirken zu lassen. Was ist das, was gerade vor Ihnen zum Essen oder Trinken steht? Woraus besteht es? Wo kommen die einzelnen Bestandteile her? Aus welchem Boden, aus welchem Wasser, aus welchem Staat? Welches Klima war notwendig? Wer hat gesammelt, gejagt, gefangen, gesät, gepflanzt, geerntet, gehegt, gefüttert, geschlachtet, verarbeitet und unter welchen Bedingungen? Welches Knowhow war dafür notwendig? Wie und von wem wurde das, was jetzt vor Ihnen steht, transportiert? Wo wurde es verkauft und wer war auf den letzten Metern beteiligt, dass Sie jetzt essen und trinken können.
  • Es ist nicht wichtig, dass Sie auf jede Frage eine Antwort haben. Die Fragen als solche reichen, um zu sehen, dass Essen und Trinken nicht einfach da sind. Eine lückenlose Produktions- und Lieferkette hat es bis auf Ihren Teller oder Ihr Glas gebracht. Das verdanken Sie der Natur und vielen Menschen.
  • Da jedes einzelne Glied der Kette, egal ob natürlich oder menschlich, jederzeit brechen kann, achten und genießen Sie das Essen und Trinken, das im Moment vor Ihnen steht, so gut es Ihnen möglich ist. Es könnte anders sein.

Diese Übung können Sie übrigens mit abgewandelten Fragen in allen Lebensbereichen durchführen, z. B. auch in Ihrer Arbeit.

Ich wünsche Ihnen genussreiche Einsichten.

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