Moving – moving – moving


Wäre er ein Mensch, müssten wir uns über kurz oder lang vor Gericht dafür verantworten, wie wir mit ihm umgehen und ihn ausbeuten. Unseren Körper. Wir entziehen ihm Schlaf. Wir verweigern ihm Bewegungsfreiheit, wenn wir ihn stundelang und pausenlos vor einem Bildschirm sitzen lassen. Wir vergiften ihn mit Alkohol oder Tabletten. Wir stopfen ihn voll mit Kalorien. Wir quälen ihn mit sportlichem schneller, höher, weiter und lassen manchmal sogar Leute mit Messern auf ihn losgehen, um ihn ansehnlicher zu machen. Zugegeben ein drastisches Bild. aber vielleicht hilfreich, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass wir oft unsern Körper ziemlich schlecht behandeln, obwohl wir 24 Stunden am Tag auf ihn angewiesen sind und zwar in jeder Sekunde zu 100 %.

Glücklicherweise ist unser Körper kein eigenständiger Mensch, sondern nur ein Teil von uns, der allerdings irgendwie doch ein Eigenleben besitzt und dessen Bedürfnisse wir nicht folgenlos ignorieren können. Er wird nämlich irgendwann auf die eine oder andere Art den Dienst verweigern. Und das ist dann meistens nicht lustig, trotz ärztlicher Kunstfertigkeit.

Wir sind gut beraten, die Bedürfnisse des Körpers ernster zu nehmen, man könnte auch sagen: den Schutz der eigenen natürlichen Ressourcen. Dazu gehört, die körperlichen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen und ihnen vielleicht etwas mehr nachzugeben.

Hier eine kleine Übung für Zwischendurch, vor allem für Schreibtischtäter (aber nicht nur), mit der Sie das Bewusstsein für Ihren Körper stärken und speziell seinem Bewegungsbedürfnis nachkommen können.

  • Unterbrechen Sie das, was Sie gerade tun für etwa zwei bis fünf Minuten. Wenn Sie sitzen, stehen Sie auf und stellen sich hin. Lenken Sie die Aufmerksamkeit darauf, wie es sich anfühlt, zu stehen. Spüren Sie Ihr Gewicht auf den Fußsohlen und Ihren Atem. Welche Körperregionen machen sich von ganz alleine bemerkbar? Vielleicht entdecken Sie auch: Wer spürt, denkt und grübelt nicht.
  • Entspannen Sie sich. Scannen Sie Ihren Körper von Kopf bis Fuß. Lockern Sie mit jedem Ausatmen Anspannungen in einzelnen Körperregionen, die Sie zum Stehen nicht brauchen, z.B. im Gesicht, im Kiefergelenk oder in den Schultern.
  • Fragen Sie sich, oder besser Ihren Körper, welche Bewegung ihm jetzt guttun würde. Das kann eine Dehnung, ein Armschlenkern, ein Hüpfen oder irgendetwas anderes sein. Denken Sie so wenig wie möglich darüber nach, welche Bewegung jetzt gut wäre, sondern folgen Sie einfach dem erstbesten Bewegungsimpuls, der vielleicht zu einer bekannten Dehnübung oder auch zu einer Bewegung ohne Vorbild führt.
  • Wenn Sie die Bewegung ausgeführt haben, halten Sie inne und geben sich etwas Zeit, den Körper und einen nächsten Bewegungsimpuls zu spüren, dem Sie dann auch so gedanken- und bewertungslos wie möglich folgen. Das wiederholte Innehalten unterstützt das Körperbewusstsein und hilft Ihnen, die Bewegungen weniger mit dem Kopf, z.B. durch bestimmte Gedanken und Vorstellungen und mehr durch die jeweiligen Körperempfindungen zu steuern.
  • Wichtig ist: Bleiben Sie locker. Nehmen Sie diese Anleitung nicht zu ernst. Manchmal ist es schwer, überhaupt den Körper oder Bewegungsimpulse zu spüren. Kein Problem, bewegen Sie sich einfach. Ohne besonderen Anspruch. Hüpfen Sie, schütteln Sie Ihre Arme und Beine aus, machen Sie bekannte Dehnübungen oder zappeln Sie einfach rum. Es ist alles besser als weiter ohne Pause zu sitzen. Und wenn Sie nicht alleine sind, animieren Sie andere mitzumachen. Der Spaß ist größer.

Ich wünsche Ihnen viel Ausgelassenheit, wenn Sie Ihrem Körper die Führung überlassen.

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