Selbsterfahrungstrip in 5 Minuten


Mögen Sie kleine Wettkämpfe, den spielerischen Test Ihrer Fähigkeiten, Mini-Herausforderungen, bei denen es um nicht viel geht? Ja? Dann lohnt es sich weiter zu lesen. Die anderen lassen sich vielleicht auch verführen, sich der folgenden Achtsamkeits-Challenge zu stellen. Denn sie können dabei nicht nur genauso Achtsamkeit üben, wie bei einer klassischen Atemmeditation, sondern auch noch viel über sich selbst erfahren. Denn manchmal ähnelt die Art, wie wir mit spielerischen Herausforderungen umgehen, der Art, wie wir mit den wirklichen Herausforderungen umgehen, die uns das Leben in den Weg legt.

Hier die Challenge: Kochen Sie ein weiches Ei, so dass es ungefähr die Konsistenz hat, wie auf dem Foto und wie es die meisten gerne zum Frühstück mögen, aber ohne Uhr, oder andere Zeit-Hilfsmittel, ohne das geschickte Ausnutzen des Erkaltens einer Herdplatte und ohne Ablenkung durch Gespräch, Essen, Handy, Tablet, Zeitung, Radio, Fernsehen usw.

Vor allem der zweite Teil der „Versuchsanordnung“ gibt Ihnen die Möglichkeit, mehr über sich zu erfahren als nur, wie gut Ihre innere Uhr funktioniert. Lassen Sie sich von sich selbst überraschen, wie Sie mit dieser Aufgabe umgehen, was Ihnen während der Wartezeit durch den Kopf geht, wie sich Ihr Gefühlszustand verändert und wie Sie letztlich die Entscheidung treffen, die Kochzeit zu beenden. Wenn Sie dann noch mehr über sich erfahren möchten, achten Sie darauf, wie Sie reagieren, wenn Sie das Ei aufschlagen: Triumpf, Stolz, Glück, Schönreden, Enttäuschung, Niederlage, „Revanche“, neuer Versuch … Alles ist möglich. Seien Sie gespannt auf sich und glauben Sie nicht, schon zu wissen, wie sie reagieren. Hier noch einige Hinweise zu dieser Achtsamkeitsübung:

  • Sorgen Sie dafür, dass Sie während des Eierkochens allein in der Küche sind und nicht gestört werden. Das hilft Ihnen,sich auf sich selbst zu konzentrieren und darauf zu achten, was während der Kochzeit bei Ihnen passiert. Wenn Sie mit anderen zusammen frühstücken möchten, bieten Sie an, das Frühstück alleine vorzubereiten. Das Angebot wird meistens gerne angenommen.
  • Legen Sie ein Ei in kochendes Wasser und nur wenn Sie mutig und erfahren sind auch mehrere Eier.
  • Beginnen Sie dann die Achtsamkeitsübung, indem Sie sich auf einen Stuhl setzen und die Augen schließen.
  • Achten Sie nun während der Garzeit auf ihre Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Handlungsimpulse, so gut Sie das können. Je mehr Sie sich dafür interessieren, was bei ihnen von Moment zu Moment passiert, umso leichter, ist es gegenwärtig zu bleiben und die Aufgabe nicht aus dem Blick zu verlieren: Wie verändern sich Anspannung, Gedanken, Stimmungen, Handlungsimpulse im Laufe der Garzeit? Intensivieren sie sich, schwächen sie sich ab? Wie wechseln sich die verschiedenen Wahrnehmungsaspekte in ihrem Bewusstsein ab? Wie verändert sich ihre Befindlichkeit, je mehr Sie sich dem Ende der Garzeit nähern? Was löst letztlich den Impuls aus, die Augen zu öffnen und das Ei aus dem Wasser zu nehmen?
  • Erlauben Sie sich, so zu reagieren, wie sie reagieren: Anspannung, Neugier, Spaß, Interesse, Ärger, Irritation, Unsicherheit, Zweifel – alles ok. Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur die Erkenntnis, so wie ich reagiere, so reagiere ich. Das ist schon alles. Das allein kann vieles offenbaren und tiefere Einsichten ermöglichen.
  • Die Coda: Der Abschluss der Übung ist natürlich, das Ei zu köpfen. Bleiben Sie dabei gesammelt, so gut es geht und die Situation es erlaubt. Achten Sie darauf, welche Konsistenz des Eies sie erwarten, ob und wie sie sich von ihrer Erwartung unterscheidet und wie sie auf sie reagieren. Bleiben Sie vor allem freundlich zu sich, wenn das Ei glibberig oder hart ist. Vielleicht ist für Sie genau das die Lektion, die diese Challenge für Sie bereithält.

Ich wünsche Ihnen aufschlussreiche Selbsterfahrungen und viele gelungene weiche Eier und sorgen Sie dafür, dass Sie genug Eier im Haus haben, wenn Sie die Übung beginnen.

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