So ist es.


Die Welt ändert sich dauernd. Aber selten bekommen wir die Veränderung so deutlich vor Augen geführt wie durch den Krieg in der Ukraine. Wir leben plötzlich in einer völlig anderen Welt. Sie ist erkennbar nicht mehr so wie vor dem 24. Februar. Uns wird täglich vor Augen geführt, wieviel Blut und Leid Frieden und Freiheit kosten können und wie kostbar und zerbrechlich eine Welt ist, in der wir uns wohl und sicher fühlen können. Vielleicht öffnet der Krieg in der Ukraine unsere Augen auch für andere Kriege und andere, schon in der Realität angekommenen Bedrohungen: Erderwärmung, Ressourcenverknappung, weltweite Ungerechtigkeit. Auch diese kennen wir mindestens schon so lange wie Putin. Das eigene Gärtchen einzuzäunen und das eigene Konto zu füllen, wird nicht ausreichen, um einer Zukunft in die Gegenwart zu verhelfen, in der wir und unsere Kinder auch noch leben wollen.

Angst, Ohnmacht, Wut, Nicht-wissen-wollen und Dicht-machen sind verständlich, helfen aber nicht. Die Flüchtlinge stehen vor der Tür, der Benzinpreis steigt, der Euro verliert Wert und der nächste Winter kann auch im Wohnzimmer kälter werden. Es hilft nichts, mit den Veränderungen zu hadern, sie auszublenden, sich gegen Sie zu stemmen, zu verzweifeln und sich zurückzusehnen nach der Zeit vor dem Krieg, vor Corona, vor dem Klimawandel, vor der Scheidung, vor dem Unfall oder vor dem neuen Chef. Das Einzige, was wirkt, ist die Wirklichkeit, so wie sie jetzt ist, egal ob sie uns gefällt oder nicht. Und wir sind verantwortlich für unsere Zukunft durch das, was wir jetzt sagen oder nicht sagen, tun oder nicht tun. Für diese Verantwortlichkeit brauchen wir Klarheit, Kreativität, Klugheit und Kraft, um weniger an Vergangenem festzuhalten und mutiger Neues zu wagen. Dabei kann Achtsamkeit helfen. Sie führt ja nicht in eine mentale Wellness-Oase, sondern im Gegenteil in die Gegenwart, so wie sie ist: brutal, unsicher, voller Leid und gleichzeitig voller Hilfsbereitschaft, Verbundenheit und Mitgefühl.

  • Diese Achtsamkeitsübung besteht nur aus zwei Fragen, die Sie „im Hinterkopf“ mitnehmen und immer wieder in Ihren mentalen Arbeitsspeicher laden können, indem Sie sich an sie erinnern. Vielleicht schreiben Sie sich die Fragen auf und hängen sie als Erinnerungsanker irgendwo hin.
  • Wichtig ist, dass Sie die Absicht aufgeben, irgendetwas an sich selbst verändern zu wollen oder zu müssen, um sich oder die Welt zu verbessern. Es geht nur darum, Ihre gegenwärtige innere Wirklichkeit mit all den Gedanken und Gefühlen besser kennenzulernen und sich etwas mehr damit anzufreunden, so gut das gerade geht. Je mehr das gelingt, desto mehr werden Sie sich und damit auch die Welt verändern. Sie können dieser paradoxen Wirkung von Achtsamkeit vertrauen.
  • Hier die erste Frage: Was lässt mich an dem festhalten, was vergangen ist? Suchen Sie nicht nach Antworten. Lassen Sie die Antworten auftauchen und nehmen Sie sie mit Interesse, Neugier und einer „Ah-so-ticke-ich-Haltung“ zur Kenntnis, möglichst ohne Wertung. Schenken Sie sich umso mehr Mitgefühl und Verständnis, je unangenehmer die Antworten sind. Anerkennen Sie, wie schlimm die Trauer ist, wie sehnlich Sie es anders haben wollen oder wie groß Angst und Zukunftssorgen sind.
  • Hier die zweite Frage: Was in mir könnte mehr Raum zur Entfaltung bekommen, wenn ich das Vergangene vergangen sein lasse? Lassen Sie auch diese Frage in sich wirken. Erdenken Sie nicht, was eine sinnvolle Antwort sein könnte. Lassen Sie sich von sich selbst überraschen und üben Sie sich in Geduld. Nicht immer gibt es Antworten sofort. Sie sind keine Antwort-Maschine, die Sie nur starten müssten.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich von Ihrer Zukunft anregen lassen.

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